Verdrehte Zeit

Heute morgen kam mir eine Erinnerung vom Todestag meines Mannes hoch, was ich jetzt erst richtig deuten konnte.

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(Gern weiterlesen, wenn dich Geschichten über den Tod interessieren. Mein Mann ist nach schwerer Krebserkrankung am 28. Januar 24 verstorben.)


Kurze Zeit nach dem Ableben seines irdischen Körpers, befanden wir uns immer noch am Sterbebett im Schlafzimmer. Auf einmal spielte die Uhr wie verrückt und sie drehte sich ganz schnell. Ein „lautes“ Geräusch, was uns in dieser stillen Zeit etwas erschreckte.

Nach der Verabschiedung seiner Eltern, sprach mich meine jüngste Tochter an, dass wir Papa so nicht abholen lassen können. Wir wollten ihm die Windeln ausziehen, ihn waschen und ihn anschließend frisch anziehen. Es war ein kräftezerrender Akt, den wir irgendwie dennoch „gewuppt“ haben. Nachdem wir den ersten Akt schweißtreibend geschafft hatten, gingen wir zwei ins Bad um uns die Hände zu waschen. Da fing das wieder an. Diese Uhr spielte verrückt und die Zeiger drehten sich ganz schnell. Meine Tochter meinte noch, wie unheimlich das jetzt irgendwie sei. Ich selbst spielte das für mich als Zufall herunter.

Heute morgen erwacht. Valentinstag. Allein ohne ihn.
Ich machte heute morgen, noch ganz schlaftrunken, seine Altarkerze an und nahm ein Foto wieder zu mir ins Bett. Da kam sie die Erinnerung. Ganz frisch ins Gedächtnis. Von unseren Anfängen vor mehr als 25 Jahren:

Thomas lebte da noch bei seinen Eltern und war zu dieser Zeit in Fortbildung. Mein Kind war zu der Zeit anderthalb Jahre alt und ich hatte eine eigene Wohnung. Wir trafen uns meist nur am Wochenende. Nur sehr, sehr selten auch in der Woche.

Und wenn in der Woche, verabschiedete sich mein Mann pünktlich wie die Maurer, Punkt 20 Uhr. Für mich immer viel zu früh. Auch liebe Worte, betteln … ließen meinen Mann bei seinem Vorhaben nicht abringen.

Als er mich wieder einmal besuchen kam und er kurz auf Toilette war, hatte ich einen Plan. Ich stellte alle meinen Uhren in der Wohnung eine Stunde zurück. Wie war ich glücklich.

Ich saß also NACH 20 Uhr neben ihm. Wir unterhielten uns gerade sehr intensiv. Nebenbei lief leise der Fernseher. Er rief auf einmal aus: „Warum beginnt denn jetzt schon die Serie XY?. Es ist doch noch gar nicht 20.15 Uhr?“ … und starrte erst auf meiner Uhr, anschließend auf seine Armbanduhr. Fassungsloser Gesichtsausdruck. Er ging ohne ein Wort.

Und immer, wenn es irgendwie um Uhrzeiten ging, sah er lieber auf seiner Armbanduhr und zog mich damit liebevoll mit den Worten auf: „Nicht, dass es wieder zu Verwechlungen kommt.“ und grinste mich dabei an.

So begann und endete unsere Liebe und bleiben mit dem „Zeiger des Lebens“ immer verbunden.

Ich wünsche allen Liebenden heute einen HAPPY VALENTINSTAG!

Foto: Pixabay, Steve Buissinne


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